4. Mai 2007
Salvador ist die ”schwaerzeste” Stadt Brasiliens. Zwei Drittel der 2.2 Milionen Einwohner sind Nachkommen frueherer Sklaven, die ihre Religionen, Rhythmen und Traditionen aus Afrika mitbrachten. So wurde Salvador unter anderem das Zentrum des Candomblés.
Candomblé bedeutet in der Sprache der Yoruba “Fest” oder “Gebet” und bezeichnet eine afro-brasilianische Religion, welche aus Westafrika ueberliefert wurde. Im 17. und 18. Jahrhundert brachten Sklaven aus dem heutigen Nigeria und Benin ihre Glaubensvorstellungen und die Yoruba-Gottheiten, die Orixás, nach Brasilien. Fuer Candomblé-Glaeubige sind die Orixás die Mittler zwischen der hoechsten Gottheit Olorún und den Menschen. Nach Ueberlieferungen des Candomblé wurden sie von Olorún geschaffen und sind goettliche Wesen, die einst mit den Menschen lebten, wobei sie die Welt des Diesseits als auch des Himmels besuchen konnten. Diese Harmonie wurde zerstoert, als ein Mensch sich den Gesetzen Olorúns widersetzte. Die Orixás gaben ihre materielle Huelle auf und verwandelten sich in “Axé” Energie.
Ein Merkmal des Candomblé ist der Glaube, dass der Kontakt zu Olorún wieder hergestellt werden kann, indem sich die Orixás kurzzeitig in den Koerpern auserwaehlter Glaeubigr offenbaren. Durch besondere Trommelrhythmen, Taenze und Gesaenge werden die Orixás von den Glaeubigen herbeigerufen. Dabei fallen die Glaeubigen in Trance und verlassen ihr eigenes ich, damit die Gottheit sich in ihnen offenbaren kann.
In Salvador konnten wir einer solchen Candomblé-Zeremonie beiwohnen. Wir wurden in einen kleinen, geschmueckten Raum gefuehrt, in welchem drei junge Maenner die Trommeln schlugen und Lieder in der afrikanischen Sprache Yoruba sangen. Etwa zwanzig weissgekleidete Frauen und Maenner tanzten im Kreis zu den Rhythmen. Unterstuetzt wurden sie von der dichtgedraengten Menschenmenge, welche ihrerseits sang und im Rhythmus klatschte. Nach und nach fielen die Tanzenden in Trance und wurden von Helferinnen in einen Nebenraum gefuehrt, wo sie entsprechend dem Orixá, welcher in sie eingefahren war, gekleidet wurden. Nach einer kurzen Pause kehrten sie als Orixás gekleidet wieder zurueck in den Raum und fuehrten symbolische Taenze und Gesaenge auf, welche die Eigenheiten des Orixá in Erinnerung rufen.
In der Kolonialzeit als die afrikanischen Sklaven zum Katholizismus konvertieren mussten, ueberlebte der Candomblé Kult nur, weil er unter dem Deckmantel des Katholizismus praktiziert wurde. Die Sklaven ordneten ihren Gottheiten katholische Heilige zu. So wurde die Meeresgoettin Iemanjá zum Beispiel mit der Jungfrau Maria gleichgesetzt. Deshalb sind viele Afrobrasilianer sowohl Candomblé-Glaeubige als auch Katholiken.
Bekannt ist Salvador auch fuer sein historisches Viertel Pelourinho mit der beeindruckenden Barockarchitektur und den gut erhaltenen Kirchen. Die Ernennung des bunten Viertels zum UNESCO Weltkulturerbe retete die Herrenhaeuser und Kolonialbauten vor ihrem Niedergang.

Igreja Rosário dos Pretos am Largo Pelourinho

Igreja São Pedro dos Clérigos

Terreio de Jesus